Ein Stoff mit Geschichte

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Erst fünf Jahre Kunststoffkompetenz in Troisdorf? Wohl kaum! Nur das Kompetenzzentrum Kunststoff wird fünf Jahre alt. Ideen zu einem solchen Netzwerk gab’s schon etwas länger, aber erst 2011 kam es so richtig in Fahrt. Da eröffnete der damalige Troisdorfer Wirtschaftsförderer Jürgen Sturm das erste Netzwerktreffen in den Räumen der ehemaligen Aus­- bildungsabteilung der HT Troplast AG an der Mülheimer Straße. Thema war damals die Ausbildung und gekommen waren 25 Unternehmensvertreter aus Troisdorf.­­

Schon geraume Zeit wünschten sich Vertreter der Troisdorfer Kunststoffbranche ein solches Netzwerk. Aber wie sollte es aussehen, wie organisiert, wer der Träger? Schließlich ergriff die Troisdorfer Wirtschaftsförderung die Initiative und gründete kurzerhand ein „loses“ Netzwerk, ohne Vereinsstrukturen und Mitgliedschaft. Regelmäßige Treffen, am liebsten bei den Unternehmen, mit Fachbeiträgen und Betriebsrundgängen, sollten den Blick füreinander schärfen und für Solidarität sorgen. Im besten Fall sollten dadurch Kooperationen entstehen und gemeinsame Projekte. Der ohnehin starke Kunststoff-Standort Troisdorf sollte nachhaltig weiterentwickelt werden. „Schließlich hat Troisdorf in den vergangenen 15 Jahren den Wandel von einer stark industrie-geprägten Stadt zu einem gesunden mittelständisch strukturierten Standort geschafft. Anders als verschiedene Beispiele in der Bundesrepublik, die den Wegzug der Großindustrie nicht verkraftet haben und hernach in die Bedeutungslosigkeit zurückfielen“, unterstreicht Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski. Troisdorf hatte den „Turnaround“ geplant und gezielt durchgeführt, neue Gewerbegebiete erschlossen und durch eine kluge Akquise einen ausgeglichenen Mix unterschiedlicher Gewerbebetriebe am Standort angesiedelt.

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Parallel dazu sollte das erfolgreiche Standbein „Kunststoff“ gestärkt werden. Schließlich ist Troisdorf eine der geschichts­trächtigsten Kunststoffstandorte weltweit. Seit 1905 wird in Troisdorf Kunststoff hergestellt. Am 4. März 1905 eröffnete hier die erste Celluloidfabrik Deutschlands. Der PVC-Bodenbelag – Markenname Mipolam – wurde hier Ende der 30er-Jahre bei der Dynamit Nobel AG erfunden. Noch heute ist dieser Belag einer der robustesten Lösungen für hoch frequentierte Flächen, wie z.B. in Schulen, Behörden oder Kaufhäusern. Ende der 30er-Jahre folgten Kunststoffrohre. 1954 entstand das erste in Serie hergestellte Kunststoff-Fenster der Welt in Troisdorf. Überhaupt war Dynamit Nobel zwischen den 30er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wahrscheinlich das produktivste und innovativste Kunststoff­unternehmen weltweit, wie heute internationale Experten noch immer bestätigen. Weitere Beispiele des Erfindergeistes und der Schaffenskraft dieses Unternehmens finden sich heute in der weltweit einzigen Produktsammlung des Unternehmens im „Museum für Stadt- und Industriegeschichte der Stadt Troisdorf“ (MUSIT) gleich gegenüber der Burg Wissem. Ein digitales Archiv wichtiger Dokumente unterhält der begleitende Kunststoff-Museumsverein (www.kunststoff-museum.de).

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Nach der Aufteilung der Dynamit Nobel und zahlreicher Unternehmer- und Eigentümerwechsel, ist die Troisdorfer Kunststofflandschaft heute vielschichtiger und bunter geworden. Aus dem ehemaligen Industriekonzern haben sich kleinere und größere sehr produktive Unternehmen entwickelt, die in ihren Segmenten zum Teil weltweit Bedeutung genießen. Das Netzwerk dieser Unternehmen zu pflegen und ihnen eine Plattform zu bieten, sieht die Troisdorfer Wirtschaftsförderung TROWISTA immer noch als eine wichtige Aufgabe an. Und nicht nur sie: Mittlerweile sind die Netzwerktreffen wichtige Termine im Troisdorfer Kunststoff­­kalender. Jährlich finden vier Netzwerktreffen statt, nach wie vor bei den Unternehmen und thematisch ganz konkret ausgerichtet an den Bedürfnissen der Mittelständler. Blicke über den Tellerrand „Troisdorf“ hinaus finden statt und sind gewünscht. Immer wieder kommt es vor, dass gerade die Betriebsbesichtigungen – selbst bei gut gepflegten Partnerschaften der Unternehmen – Überraschungen hervorrufen. Das können unbekannte Produkte sein oder neue Techniken, die vielleicht der eine Betrieb schon eingeführt hat und der andere noch überlegt. „Diese Netzwerke und damit die eigenen lokalen Stärken zu pflegen, ist eine wichtige Aufgabe der kommunalen Wirtschaftsförderung“, sagt Thomas Zacharias, heute Geschäftsführer der TROWISTA, und weiter: „Es ist immer wieder beeindruckend, welche Vielfalt an innovativen Unternehmen in Troisdorf besteht.“

Zum Erfolgsrezept des Kompetenzzentrums Kunststoff gehört, dass es keine Zwänge und keine festen Strukturen gibt. Die Unternehmer genießen dies und kommen aus eigenem Interesse zu den Veranstaltungen. Regelmäßige Newsletter und eine Website informieren außerhalb der Netzwerktreffen über Neuigkeiten aus Troisdorf oder der Kunststoffwelt im Allgemeinen. Eine geschlossene Nutzergruppe im Netzwerk XING erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Durchschnittlich 56 Zugriffe hat jede eingestellte Meldung, Anfrage und Personalangebot – bei insgesamt 94 Mitgliedern in der Gruppe. So erzielte die Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekord von 5.800 Zugriffen auf die veröffentlichten Meldungen!

kkk-4Die zwei Gesichter hinter dem Kompetenzzentrum Kunststoff sind Pauline Hagenbucher, Mitarbeiterin der TROWISTA, und Rainer Hardtke, freier Journalist und ehemaliger Presse- sprecher der HT Troplast AG, die sich um die Organisation und Anfragen kümmern.